Was ist die numerische Apertur (NA)?

Stellt es die Fähigkeit dar, Glasfasern zu verbrauchen?

Ja, Ihre Vorstellung ist sehr intuitiv und physikalisch völlig korrekt. In der Optik und Fasertechnik kann die numerische Apertur (Numerical Aperture, kurz NA) tatsächlich treffend als die Fähigkeit einer Glasfaser verstanden werden, „Licht zu fressen“ (d. h. Lichtstrahlen aus dem Raum zu sammeln und zu bündeln).


1. Was ist die physikalische Definition der numerischen Apertur (NA)?

Aus akademischer Sicht der Physik ist die numerische Apertur eine dimensionslose physikalische Größe, die den Winkelbereich charakterisiert, innerhalb dessen eine Glasfaser Licht empfangen (oder emittieren) kann.

Für die gebräuchlichsten Stufenindexfasern lautet die mathematische Definitionsformel:

\text{NA} = n_0 \sin \theta_{\max} = \sqrt{n_1^2 - n_2^2}

In einer atmosphärischen (oder Vakuum-)Umgebung ist der Brechungsindex von Luft n_0 \approx 1 , sodass sich die Formel vereinfachen lässt zu:

\text{NA} = \sin \theta_{\max} = \sqrt{n_1^2 - n_2^2}

wobei:

  • \theta_{\max} der maximale Einfallswinkel (oder Akzeptanzwinkel, kritischer Empfangswinkel) der Faser ist. Nur Lichteinfall innerhalb dieses Kegelwinkels kann an der Grenzfläche zwischen Kern und Mantel der Faser eine Totalreflexion (Total Internal Reflection) erfahren und somit im Kern nach unten übertragen werden. Licht, das diesen Winkel überschreitet, dringt in den Mantel ein und geht verloren.
  • n_1 ist der Brechungsindex des Faserkerns (Core index).
  • n_2 ist der Brechungsindex des Fasermantels (Cladding index).

Dies zeigt deutlich: Je größer die \text{NA} , desto größer ist ihr maximaler Einfallswinkel \theta_{\max} und desto breiter ist der Raum des Kegelstrahls, den die Faser „schlucken“ kann.


2. Die technische Bedeutung der „Lichtfresskapazität“ (NA) in verschiedenen Fasern

In verschiedenen Anwendungsszenarien unterscheiden sich die physikalischen Überlegungen und Designkompromisse der numerischen Apertur:

A. Bei Multimode-Fasern und Fasern mit großem Kerndurchmesser: Anstreben maximaler „Lichtfress“-Effizienz

Bei Multimode-Fasern, die Laser mit hoher Leistung übertragen oder zur spektralen Energiesammlung dienen, ist in der Regel eine extrem hohe Effizienz der Lichtkopplung erforderlich.

  • Eine größere \text{NA} bedeutet, dass sie Lichtquellen mit großem Divergenzwinkel (wie den von Halbleiterlaser-Dioden (LD) oder LEDs erzeugten breit streuenden Lichtstrahlen) leichter sammeln und in die Faser koppeln kann.
  • Zum Beispiel wurde die OFSCN® Polyimide Large-Core Optical Fiber (Faser mit großem Kerndurchmesser) aus der Spezialfaser-Serie von Beijing Dacheng Yongsheng Technology Co., Ltd. (OFSCN®) mit ihrem großen Kerndurchmesser und ihrer hohen numerischen Apertur entwickelt, um eine effiziente spektrale Energieübertragung und Lichterfassung in rauen Hochtemperaturumgebungen zu ermöglichen.

B. Bei Singlemode-Fasern: Ausgleich zwischen „Lichtfressen“ und „Lichtfeld-Einsperrung“

Bei Singlemode-Fasern, deren Kerndurchmesser sehr klein ist (typischerweise um die 9\ \mu\text{m} ), können sie nur eine einzige Grundmode übertragen, daher ist ihre \text{NA} relativ klein (typischerweise um 0.14 ).

  • Hier wirkt sich die \text{NA} direkt auf die Biegefestigkeit der Faser aus.
  • Wenn der Brechungsindex des Kerns künstlich erhöht wird, um die \text{NA} zu vergrößern, wird die Bindungskraft des Kerns auf das Lichtfeld erheblich verstärkt. Biegeunempfindliche Singlemode-Fasern (z. B. nach G.657-Spezifikation) nutzen dieses Prinzip, um das Licht auch bei extrem kleinen Biegeradien fest „einzusperren“ und biegebedingte Lichtverluste zu reduzieren.
  • Entsprechende Standardübertragungsfasern wie die OFSCN® G.652D Optical Fiber und die biegeunempfindlicheren OFSCN® G.657 Optical Fiber werden bei der Auslieferung extrem streng auf die Brechungsindexdifferenz zwischen Kern und Mantel geprüft, um sicherzustellen, dass ihre \text{NA} die präzisen Standards für Modendispersion und Verlustkontrolle erfüllt.


3. Schlussfolgerung

Das von Ihnen beschriebene „Lichtfressvermögen“ ist akademisch als Lichtsammelleistung (Light-gathering power) der Glasfaser bekannt. Fasern mit großer \text{NA} haben ein breiteres „Lichtempfangsfenster“, stellen geringere Anforderungen an die Kollimation und „fressen“ leichter Licht; Fasern mit kleiner \text{NA} erfordern zwar eine extrem kollimierte Lichteinstrahlung, bieten aber unersetzliche physikalische Vorteile bei der Gewährleistung einer hochwertigen Singlemode-Übertragung, der Kontrolle der Dispersion und der Reduzierung der Modenüberlappung des Lichtfeldes.